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Letztes Wochenende hat uns diese Geburtstagseinladung von unserem guten Freund M. auf die Burg Ravensberg im Teutoburger Wald geführt.
Eine Burg ist ja an sich schon ein famoser Ort für eine Geburtstagsfeier, aber M. hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: ein mittelalterliches Burgfest sollte es sein!
Daher mussten auch alle Gäste “gewandet” erscheinen: als Ritter, Burgfräulein, Knappen, Mägde, Mönche, Diebe … oder auch als Hexen und Zauberer.
U. und ich wollten uns schon ewig mittelalterliche Gewandung zulegen, um an Mittelaltermärkten stilecht auftreten zu können — und vielleicht sogar einmal bei der “Society for Creative Anachronism” oder dem einen oder anderen Live Action Rollenspiel hineinzuschnuppern.
Daher war das natürlich eine fantastische Gelegenheit für uns, diese langgehegten und nie verwirklichten Pläne endlich einmal in die Tat umzusetzen.
Es war gar nicht so einfach, sich zu entscheiden! Verschiedene Online-Mittelalter-Läden lockten uns mit großer Auswahl, allen voran der Ritterladen und das Mittlalter.Net. Aber nach einigem Hin und Her und langem Überlegen, rangen wir uns zu einer Entscheidung durch: U. würde sich als Ritter Franconiae (in den Farben seiner katholischen, farben-tragenden, nicht schlagenden Verbindung Frankonia-Czernowitz im CV zu Erlangen) gewanden, während ich es mir einfach machen würde und einfach als sein Weib und Ritterfräulein auftreten würde.
Vom Stil her orientierten wir uns zwanglos am spätmittelalterlichen Manuskript “Les Très Riches Heures du Duc de Berry”. Daher waren eine Kopfbedeckung und weite Fledermausärmel für mich ein absolutes Muss! Aber auch eine praktische Gürteltasche durfte nicht fehlen — groß genug, um alles aufzunehmen, was man im Mittelalter so brauchte: Sony eReader, Handy, Digitalkamera, iPod …
Die Gewandung traf rechzeitig bei uns ein, paßte auf Anhieb perfekt und wir konnten es kaum noch erwarten, sie endlich “live” auszuprobieren. U. freute sich besonders darauf, sich des abends in seinen langen schwarzen Umhang zu hüllen und eine drohende Pose einzunehmen, während ich neugierig darauf war, wie ich mit dem langen Kleid und den Flatterärmeln zurechtkommen würde.
Letzten Samstag war es dann endlich soweit und wir machten uns vollbepackt mit mittelalterlichen Klamotten auf den Weg nach Norden. Die Hinfahrt verlief gut und fast wie geplant (mit Ausnahme einer nicht vorgesehenen Umleitung in Bielefeld). Nach einem Schläfchen im Hotel hieß es dann: Gewandung raus! Anziehen!
Und dann ging’s auch schon los. Nach einer kurzen Busfahrt erklommen wir den Berg zur Burg.
Dort wartete auch schon allerlei mittelalterliches Volk auf uns: ein Spielmann, Gaukler, ein Bogenschütze, Seilmacher …
Nach der Begrüßung überreichten wir dem Geburtstagskind unser Geschenk. Zusammen mit unseren Freunden U2. und N. hatten wir ein mittelalterliches Trinkhorn besorgt und mit unseren Glückwünschen verzieren lassen.
Dann zeigte es sich, dass wir nicht nur zum Vergnügen da waren. Eine Burgführung war angesagt — einschließlich Besteigung des Bergfrieds. Ich muss sagen, der Aufstieg die schmale Wendeltreppe hinauf war ziemlich abenteuerlich. Vor allem, wenn man wie ich ein bisschen an Höhenangst leidet. Aber der Ausblick oben machte alle Ungemach wieder wett.
Der Bergfried bot auch die perfekte Bühne, um sich als Ritter und Burgfräulein verewigen zu lassen.
Wieder auf sicherem Boden angelangt, wurde es kriegerisch! Bogenschießen will gelernt sein … U. war äußerst eifrig und ernsthaft bei der Sache, aber leider gelang es ihm nur, dem Hasen auf der Zielscheibe ein Löffelpiercing zu verpassen. Für den Braten musste N. sorgen. Mit einem glatten Kopfschuss sorgte sie dafür, dass etwas zu essen auf den Tisch kam … zumindest theoretisch … und so lange der Hase sich nicht bewegt …
Dann gab es tatsächlich Speis und Trank, ein nicht ganz mittelalterliches Büffet mit diversen kalten und warmen Speisen. Später war dann allerlei Unterhaltung geboten, ein Chor brachte dem Geburtstagskind einige Ständchen dar und ein Feuer-Gaukler beeindruckte uns alle sehr.
In der Abenddämmerung wurde es bei heraufziehenden Wolken und auffrischendem Wind auch schnell kühl. Da lohnte es sich, einen wärmenden Umhang dabei zu haben.
Es war schon weit nach Mitternacht, als wir uns endlich an den Abstieg machten. Die Heimfahrt am Sonntag war zwar so scheußlich, wie die Feier schön war (ganz Deutschland steckte im Stau, statt fünf Stunden waren wir fast acht unterwegs!), aber trotzdem, alles in allem war es ein wirklich tolles Wochenende. Vor allem die Gewandung war ein voller Erfolg — und wir sind uns einig, dass wir bald wieder eine Gelegenheit finden müssen, unsere Kostüme zur Schau zu tragen!
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28/05/2009

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